Studie zu Leserkommentaren: Die „schreibende Minderheit” nimmt Einfluss

Neue Untersuchung des ECCO PR-Agenturnetzes in Zusammenarbeit mit newsroom.de

Journalisten haben ein ambivalentes Verhältnis zum direkten Dialog mit dem Leser

Leserkommentare beeinflussen die künftige Berichterstattung über ein Thema. Diese Einschätzung teilen nach wie vor rund 60 Prozent der deutschen Journalisten. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die das ECCO PR-Agenturnetz jetzt gemeinsam mit dem Journalistenportal
newsroom.de durchgeführt hat. Eine identische Befragung hatte schon einmal im Jahr 2011 stattgefunden.

Ambivalente Haltung gegenüber Leserkommentaren
Insgesamt war und ist die Haltung der Journalisten gegenüber den Leserkommentaren zwiegespalten. Immerhin noch 58,0 (2011: 84,3) Prozent der Antwortenden halten sie für eine sinnvolle Ergänzung der Berichterstattung. Gleichzeitig stimmen nur rund 20 (2011: 15,1) Prozent zumindest teilweise der Einschätzung zu, die Meinung der Kommentierer spiegle die Mehrheit der Leser wider.

Die Bedeutung der Kommentare zeigt sich vor allem darin, dass sie in rund 60 (2011: 70) Prozent der Redaktionen regelmäßig besprochen werden. Und das, obwohl nach wie vor rund die Hälfte (51,2 Prozent, 2011: 48,9 Prozent) der Journalisten davon überzeugt ist, dass Leserkommentare in erster Linie nur von denjenigen gelesen werden, die sie auch selbst schreiben.

Der Ton wird polemischer
Der Stil der Kommentare ist in den letzten Jahren offensichtlich weniger sachlich und zum Teil polemischer geworden. Gaben 2011 noch 68,2 Prozent der Antwortenden an, die Diskussionen seien in hohem Maß oder überwiegend sachlich, hat sich dieser Anteil auf nur noch 59 Prozent deutlich reduziert. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die den Ton als polemisch bezeichnen, von 10,8 auf 16,9 Prozent gestiegen.

Facebook als Diskussionsplattform zweitrangig
Die Diskussionen haben sich bei Weitem nicht so stark in die sozialen Netze verlagert, wie manche Experten behaupten. Der Anteil der Medien, die ihren Lesern die Möglichkeit zu Kommentaren via Facebook geben, hat sich zwar auf 29,5 (2011: 11) Prozent nahezu verdreifacht, bei der Beliebtheit rangieren Social-Media Kanäle aber noch hinter der klassischen E-Mail. Hier steht der direkte Kommentar unangefochten an der Spitze der Skala.

Dialog mit der Redaktion findet nicht statt
Erstaunlich ist nach wie vor die Abstinenz der Journalisten bei der eigenen Nutzung der Kommentarfunktion. Die Möglichkeit zum direkten Dialog mit dem Leser wird offensichtlich nur selten genutzt. Gerade einmal 14,3 (2011: 13,1) Prozent der Antwortenden nutzen das Angebot des eigenen Mediums häufig. Hin und wieder betätigen sich dort 28,6 (2011: 25.7) Prozent der Journalisten. Rund 60 Prozent waren und sind dort kaum bis gar nicht aktiv.

Rat an Unternehmen: Leserkommentare nicht ignorieren
„Unsere Untersuchung zeigt erneut sehr deutlich, dass Unternehmen es sich nicht leisten können, Leserkommentare zu ignorieren. Sie tragen trotz aller Vorbehalte erheblich zur Meínungsbildung in den Redaktionen bei”, kommentiert Lutz Cleffmann, Geschäftsführer von ECCO Düsseldorf/EC Public Relations GmbH (GPRA) die Ergebnisse. Er empfiehlt, diese Bereiche in die Medienbeobachtung einzubeziehen und gegebenenfalls auch zu reagieren. „Wenn die Redaktionen darüber reden, sollte die Möglichkeit genutzt weden, den eigenen Standpunkt in die Diskussion einzubringen.”

„Bemerkenswert ist, dass sich die Diskussionen bei weitem nicht so sehr in soziale Medien verlagert haben, wie manche Experten behaupten. Journalistische Medien sind nach wie vor die Kristallisationskerne der Meinungsbildung”, stellt Bülend Ürük, Chefredakteur des Branchendienstes newsroom.de fest.

Die gesamte Studie kann
hier heruntergeladen werden.